Warum in Island auch Studentinnen gerne Kinder kriegen

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Albert Anker: "Der Schulspaziergang" (1872)

Albert Anker: Der Schulspaziergang (1872)

In einem Interview mit The European stellt der Berliner Journalist und Blogger Malte Welding sein neues Buch mit dem etwas sperrigen Titel: “Seid fruchtbar und beschwert euch! Ein Plädoyer für Kinder – trotz Allem” (KiWi Verlag) vor. Dabei macht er einige sehr treffende Aussagen zu den Abgründen deutscher Familienpolitik und deren Auswirkungen auf das Leben mit Kindern in Deutschland, von unrealistischen formalen Hürden (Steuerklasse ändern im ersten Trimester) bis zur Rolle der Frau in kirchlich-konservativer Familienpolitik. Wie es typisch ist in Beiträgen zur Familienpolitik wird auch hier an zahlreichen Stellen Skandinavien als Idealbeispiel angeführt – denn dort kann man als erfolgreicher Autor aus Fairnessgründen auch Hausmann sein, Kindergeld gibt es schon lange und in Finnland bezahlt der Staat sogar den Babysitter für ausgehhungrige Jung-Eltern. Da wundert es niemanden, dass Deutschland eine so niedrige Geburtenzahl hat, während sich die skandinavischen Länder munter im oberen Drittel der Statistik tummeln. Speziell für Island mit seinen notorisch hohen Geburtenzahlen dürfte das aber auch an einem anderen Phänomen liegen, das von Malte Welding auch aufgegriffen wird: Sieht man viele Kinder in seinem Alltag, dann wird es auch vorstellbarer selbst welche zu produzieren. Das Fehlen von Kindern in vielen deutschen Alltagen fasst Welding plakativ als die “ausgeprägte Ghettoisierung der Lebensphasen” in Deutschland zusammen. Während man in Island also kaum irgendwo einen Kaffee trinken kann ohne über ein Kleinkind zu stolpern, ziehen sich die deutschen Kernfamilien in die Vororte zurück und fristen dort ohne staatlich bezahlte Babysitter ein gesellschaftlich ausgegrenztes Dasein. Ein weiteres interessantes Phänomen ist die sonderbare Elterngeldpolitik in Deutschland, nach der Studierende und Doktoranden mit dem Mindestsatz an Elterngeld auskommen müssen – das sind momentan klägliche 300€. In Island wird das Studium als Arbeit angerechnet und man bekommt den durchschnittlichen Verdienst eines Isländers als Anrechnungsgrundlage. Dementsprechend haben viel mehr Studierende Kinder, diese laufen in der Mensa herum und das Leben und Studieren mit Kindern scheint gleich viel einfacher. Vielleicht auch ein Lösungsvorschlag für Deutschland, wo man doch immer über die kinderlosen Akademikerinnen klagt.

Das Interview mit Malte Welding kann man übrigens hier nachlesen.

Do communists have better sex?

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Interesting / What I watched

After watching this Arte feature (with English subtitles) from 2006 I now know why Sex was much better in East Germany than in West Germany. Especially beautiful were the many small animations depicting the differences between East and West and of course I take any chance to watch old Oswalt Kolle clips. Oswalt Kolle was by the way West Germany’s most proficient sex educator.